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<title>Unterpflasterbahn</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Unterpflasterbahn</span></h1>
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<p><b>Unterpflasterbahn</b> ist eine von <a href="Werner_von_Siemens" title="Werner von Siemens">Werner von Siemens</a><sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> geprägte Bezeichnung für Tunnel einer <a href="Eisenbahn" title="Eisenbahn">Eisenbahn</a>, <a href="U-Bahn" title="U-Bahn">U-Bahn</a> oder <a href="U-Stra%C3%9Fenbahn" title="U-Straßenbahn">unterirdisch geführten Straßenbahn</a>, die direkt unterhalb des <a href="Pflaster_(Belag)" class="mw-redirect" title="Pflaster (Belag)">Straßenpflasters</a> verlaufen und in <a href="Tunnelbau#Offene_Bauweise" title="Tunnelbau">offener Bauweise</a> hergestellt wurden.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Charakteristisch für Unterpflasterbahnen sind die aus der Anfangszeit des U-Bahn-Baus stammenden unterirdischen Streckenteile der Linien <a href="U-Bahn-Linie_1_(Berlin)" class="mw-redirect" title="U-Bahn-Linie 1 (Berlin)">U1</a>, <a href="U-Bahn-Linie_2_(Berlin)" class="mw-redirect" title="U-Bahn-Linie 2 (Berlin)">U2</a>, <a href="U-Bahn-Linie_3_(Berlin)" class="mw-redirect" title="U-Bahn-Linie 3 (Berlin)">U3</a> oder <a href="U-Bahn-Linie_4_(Berlin)" class="mw-redirect" title="U-Bahn-Linie 4 (Berlin)">U4</a> in <a href="Berlin" title="Berlin">Berlin</a><sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> oder die <a href="Linie_M1_(Metr%C3%B3_Budapest)" title="Linie M1 (Metró Budapest)">M1 der Budapester Metro</a>. Erst später entwickelten sich die technischen Hilfsmittel, um auch bei schwierigen – beispielsweise sandigen – Bodenverhältnissen <a href="Tunnelbau#Bauweisen_und_Vortrieb" title="Tunnelbau">bergmännische Tunnel</a> in tiefer gelegene Bodenschichten anlegen zu können. Erste <a href="R%C3%B6hrenbahn" title="Röhrenbahn">Röhrenbahnen</a>, die in einem mittels <a href="Schildvortrieb" title="Schildvortrieb">Schildvortrieb</a> gebauten <a href="Tunnel" title="Tunnel">Tunnel</a> verkehren, gab es in <a href="London" title="London">London</a> allerdings schon gegen Ende des 19.&nbsp;Jahrhunderts. Auch der in einigen Lagen hohe <a href="Grundwasserspiegel" title="Grundwasserspiegel">Grundwasserspiegel</a> verhinderte an vielen Stellen den Bau tieferer Tunnel bis im späteren 20. und frühen 21. Jahrhundert entsprechende Technologien entwickelt und üblich wurden.
</p><p>Des Weiteren sind auch unterirdische Strecken von <a href="Stadtbahn" title="Stadtbahn">Stadtbahnen</a> teilweise als Unterpflasterbahn ausgeführt, wie im <a href="Stadtbahnnetz_Rhein-Ruhr" class="mw-redirect" title="Stadtbahnnetz Rhein-Ruhr">Rhein-Ruhr-Gebiet</a> oder in <a href="Stadtbahn_K%C3%B6ln" title="Stadtbahn Köln">Köln</a>. Manche dieser durch straßenbahnähnliche Fahrzeuge befahrenen Strecken wurden in den Betrieb als Voll-U-Bahn umgestellt, wie dies bei <a href="U-Bahn-Linie_2_(Wien)" class="mw-redirect" title="U-Bahn-Linie 2 (Wien)">Linie U2 der Wiener U-Bahn</a> der Fall ist.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Berliner_Bauweise">Berliner Bauweise</h2></div>

<p>Unterpflasterbahnen erhalten zur Verringerung der notwendigen Bauhöhe in der Regel eine aus Stahl und Mauerwerk oder Beton gebildete flache Decke, deren Höhe unter Verwendung von Zwischenstützen weiter reduziert werden kann, so die Bauweise der <a href="U-Bahn_Berlin" title="U-Bahn Berlin">Berliner U-Bahn</a>, bei der auch die Abdichtung gegen Grundwasser bemerkenswert ist. Bei sehr geringer Breite der Straße, in der die Unterpflasterbahn liegt, stellt man die Seitenwände des Unterpflastertunnels aus einer Verbindung von Stahl und Mauerwerk her, indem man die Stahlbauteile der Seitenwände und der Decke zu einem Ganzen verbindet. Die an den Stationen erforderliche Verbreiterung kann bei den Unterpflasterbahnen durch Auseinanderziehen der Seitenwände unter Verwendung einer stärkeren Deckenkonstruktion hergestellt werden.
</p><p>Eine Unterpflasterbahn weist gegenüber einer bergmännisch aufgefahrenen U-Bahn spezifische Vorteile auf. Hierzu gehört der geringe Abstand zwischen Oberfläche und Tunneldecke, was eine schnellere Realisierung der zu bauenden Strecken sichert. Dies kommt auch bei Modernisierungen zum Tragen. Die Transferzeit von der Straßenoberfläche zum Bahnsteig ist wesentlich geringer als bei Bahnhöfen in tiefen Lagen mit ihren verzweigten Zugangsanlagen. Nachteilig ist, dass bei Unterpflasterbahn<a href="Haltestelle" title="Haltestelle">haltestellen</a> die Zugangstreppen in der Regel nur direkt vom Bahnsteig zur Oberfläche führen, so dass diese bei Mittelbahnsteigen meist inmitten der Straßenfahrbahn enden. Im Falle von Seitenbahnsteigen sind zwei voneinander getrennte Zugangsbauwerke erforderlich. Weitere Nachteile gegenüber einer tieferen Lage im Erdboden ergeben sich durch den Bau unmittelbar unterhalb der Straße, da witterungsbedingte Straßenschäden schneller zu Schäden auf den Gleisanlagen sowie Stromversorgungsinfrastruktur führen können.
</p>

<p>Des Weiteren kann in den auf dem Tunnel liegenden Straßenräumen nur begrenzt eine Begrünung erfolgen (z.&nbsp;B. in Kübeln oder Hochbeeten) oder können nachträglich Versorgungsmedien (Kabel, Trink- oder Abwasserleitungen) eingebracht werden. Auch wirkt sich die räumliche Nähe bzw. die direkte Verbindung zwischen Tunnel und Gebäuden auf die Übertragung von Erschütterungen durch fahrende U-Bahn-Züge aus, die deutlicher wahrgenommen werden.
</p><p>Zum Zeitpunkt des Baus der ersten Unterpflasterbahnen war der <a href="Luftkrieg" title="Luftkrieg">Luftkrieg</a> kaum etwas, das beim Bau städtischer Infrastruktur bedacht worden wäre (auch wenn bereits 1849 im <a href="Italienische_Unabh%C3%A4ngigkeitskriege#Erster_Unabhängigkeitskrieg_(1848–1849)" title="Italienische Unabhängigkeitskriege">ersten italienischen Unabhängigkeitskrieg</a> ein Luftangriff mittels Ballons auf Venedig durchgeführt wurde<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>). Später jedoch wurden einige U-Bahn-Systeme explizit mit der Nebenfunktion als <a href="Luftschutzbunker" title="Luftschutzbunker">Luftschutzbunker</a> gebaut und geplant.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Die <a href="U-Bahn_Moskau" class="mw-redirect" title="U-Bahn Moskau">U-Bahn Moskau</a> (Zweiter Weltkrieg) und die <a href="U-Bahn_Kiew" class="mw-redirect" title="U-Bahn Kiew">U-Bahn Kiew</a> (<a href="Russisch-ukrainischer_Krieg" class="mw-redirect" title="Russisch-ukrainischer Krieg">russisch-ukrainischer Krieg</a><sup id="cite_ref-6" class="reference"><a href="#cite_note-6"><span class="cite-bracket">[</span>6<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-7" class="reference"><a href="#cite_note-7"><span class="cite-bracket">[</span>7<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>) mit ihren tiefen Tunneln mussten sich in dieser Funktion im Ernstfall bereits beweisen. Unterpflasterbahnen wie Berlin bieten – wie sich auch bei den <a href="Luftangriffe_auf_Berlin" class="mw-redirect" title="Luftangriffe auf Berlin">Luftangriffen auf Berlin</a> herausstellte – demgegenüber nur eingeschränkt Schutz.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Belgische_Bauweise">Belgische Bauweise</h2></div>

<p>Die <a href="M%C3%A9tro_Paris" title="Métro Paris">Métro Paris</a> wurde weitgehend ebenfalls als Unterpflasterbahn errichtet. Die 1900 in Betrieb genommene <a href="M%C3%A9trolinie_1_(Paris)" title="Métrolinie 1 (Paris)">Linie&nbsp;1</a> wurde überwiegend in „Berliner Bauweise“ mit offenen Baugruben erstellt. Um die Behinderungen des Oberflächenverkehrs künftig in Grenzen zu halten, erprobte man den <a href="Schildvortrieb" title="Schildvortrieb">Schildvortrieb</a>, der sich aber nicht durchsetzte.<sup id="cite_ref-8" class="reference"><a href="#cite_note-8"><span class="cite-bracket">[</span>8<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Stattdessen fand fortan vorwiegend die „Belgische Bauweise“<sup id="cite_ref-9" class="reference"><a href="#cite_note-9"><span class="cite-bracket">[</span>9<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Anwendung, die von der Berliner abwich. Um offene Baugruben zu vermeiden, wurde bergmännisch, meist in geringer Tiefe unter der Straßenoberfläche, ein <a href="Stollen_(Tunnelbau)#Richtstollen" title="Stollen (Tunnelbau)">Pilotstollen</a> geschaffen. Dieser wurde nach beiden Seiten erweitert und zugleich ein stabiles Gewölbe gemauert. Erst dann vertiefte man den Tunnel, wodurch sich das typische Querprofil vieler Pariser Strecken erklärt. Ein Teil der Stationen, beispielsweise der 1909 eröffnete Bahnhof <a href="Porte_d%E2%80%99Orl%C3%A9ans_(M%C3%A9tro_Paris)" title="Porte d’Orléans (Métro Paris)">Porte d’Orléans</a>, wurde aber nach wie vor in offener Bauweise erstellt.<sup id="cite_ref-10" class="reference"><a href="#cite_note-10"><span class="cite-bracket">[</span>10<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Unterpflasterbahnen_in_Europa">Unterpflasterbahnen in Europa</h2></div>

<p>In London werden vier <a href="London_Underground" title="London Underground">U-Bahn</a>-Linien zu den Unterpflasterbahnen <i>(Sub-surface lines)</i> gerechnet, darunter mit der <a href="Metropolitan_Railway" title="Metropolitan Railway">Metropolitan Railway</a> (Abschnitt der heutigen <a href="Metropolitan_Line" title="Metropolitan Line">Metropolitan Line</a>) die erste U-Bahn der Welt. Die später gebauten und die Innenstadt querenden Londoner Strecken wurde jedoch als Röhrenbahnen <i>(Tube lines)</i> gebaut. Die beiden Systeme weisen ein deutlich unterschiedliches <a href="Lichtraumprofil" title="Lichtraumprofil">Lichtraumprofil</a> auf, doch gibt es in London auch im Schildvortrieb aufgefahrene Röhrentunnel mit Sub-surface-Lichtraumprofil.
</p><p>Die <a href="Glasgow_Subway" title="Glasgow Subway">U-Bahn von Glasgow</a> entstand 1896 teilweise als Unterpflaster- und zum Teil als Röhrenbahn.
</p><p>In Wien sind die Strecken der ab 1898 eröffneten ehemaligen <a href="Wiener_Stadtbahn" title="Wiener Stadtbahn">Wiener Dampfstadtbahn</a>, die 1925 in der <a href="Wiener_Elektrische_Stadtbahn" title="Wiener Elektrische Stadtbahn">Wiener Elektrischen Stadtbahn</a> aufging und heute Teil der <a href="U-Bahn_Wien" title="U-Bahn Wien">U-Bahn Wien</a> ist, partiell als Unterpflasterbahn ausgeführt.
</p>
<div class="sieheauch" role="navigation" style="font-style:italic;"><span class="sieheauch-text">Siehe auch</span>: <a href="U-Stra%C3%9Fenbahn" title="U-Straßenbahn">U-Straßenbahn</a> und <a href="U-Stra%C3%9Fenbahn_Wien" title="U-Straßenbahn Wien">U-Straßenbahn Wien</a></div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Sabine Bohle-Heintzenberg: Architektur der Berliner Hoch- und Untergrundbahn / Planungen – Entwürfe – Bauten. Verlag Willmuth Arenhövel, Berlin 1980, ISBN 3-922912-00-1, S. 20.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"> Biagia Bongiorno: Die Bahnhöfe der Berliner Hoch- und Untergrundbahn. Herausgegeben vom Landesdenkmalamt Berlin. Imhof Petersberg 2007, ISBN 978-3-86568-292-5, S. 22.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text"><a rel="nofollow" class="external free" href="https://www.italyonthisday.com/2017/08/historys-first-air-raid-Venice-Republic-of-San-Marco-Austria.html">https://www.italyonthisday.com/2017/08/historys-first-air-raid-Venice-Republic-of-San-Marco-Austria.html</a></span>
</li>
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</li>
<li id="cite_note-9"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-9">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Christoph_Groneck" title="Christoph Groneck">Christoph Groneck</a>: <cite style="font-style:italic">Metros in Frankreich</cite>. 1. Auflage. Robert Schwandl, Berlin 2006, ISBN 3-936573-13-1, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>54</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Unterpflasterbahn&amp;rft.au=Christoph+Groneck&amp;rft.btitle=Metros+in+Frankreich&amp;rft.date=2006&amp;rft.edition=1.&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=3936573131&amp;rft.pages=54&amp;rft.place=Berlin&amp;rft.pub=Robert+Schwandl" style="display:none">&nbsp;</span></span>
</li>
<li id="cite_note-10"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-10">↑</a></span> <span class="reference-text">Jean Tricoire: <i>Un siècle de métro en 14 lignes. De Bienvenüe à Météor</i>, S. 39 ff.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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